Es ist längst überfällig sich auf den Weg zu machen.

Wenn mich jemand fragt, warum ich mich in der katholischen Kirche engagiere, ist meine ehrliche Antwort meistens:

„Ich bin der Meinung, dass ich nur dann etwas gegen Missstände tun kann, wenn ich mich aktiv daran beteilige. Es ist mir wichtig, auch an der Lösung mitzuarbeiten und nicht nur anzumerken, was man alles besser machen könnte.“

Magdalena Bachleitner

Natürlich könnte ich der Kirche den Rücken zu kehren, mir denken, das geht mich alles nichts an und mein Leben außerhalb der Kirche führen. Dann würde sich trotzdem einiges ändern, weil es ja noch viele andere Menschen gibt, die sich engagieren, aber das ist für mich keine Option. Ich weiß, dass in der Kirche ganz viel nicht so läuft, wie es ideal wäre – und das ist noch positiv formuliert. Mir ist diese, unsere, Kirche wichtig und deswegen bin ich der Meinung, dass ich auch offen ansprechen muss, wo die Probleme liegen. Das freut natürlich vor allem Verantwortungsträger nicht unbedingt. Wenn jemand auf Probleme hingewiesen wird, wird ja meistens auch eine Veränderung erwartet.

Etwas, dass ich in den letzten Jahren in dieser männerdominierten Welt gelernt habe, ist, mich auf meine Füße zu stellen. Wenn ich etwas will, muss ich das lautstark fordern. Wenn ich nicht lautstark bin, werde ich nämlich sehr lange ignoriert. Als junge Frau in der katholischen Kirche wird mir oft erst dann zugehört, wenn ich schon sehr drastische Worte finde, vorher wird darüber hinweggesehen.

Wer laut ist, eckt auch schnell an, vor allem bei Menschen, die Dinge lieber ohne Konflikte und leise im Hintergrund lösen. Oft geht mit diesem lautstark etwas einfordern auch ein gewisser Zeitdruck oder eine gewisse Nachdrücklichkeit einher. Oft führt das zu einer Abwehrhaltung verbunden mit der Unterstellung, dass mir Kirche ja nicht wichtig sein kann, wenn ich „immer nur das negative“ sehe oder es wird der Tonfall kritisiert und die Tatsache ignoriert, dass es vorher schon viele nette Worte gegeben hat.

Meiner Meinung nach ist der Rückschluss, dass mir Kirche nicht wichtig ist, wenn ich sie kritisiere, falsch. Mir ist unsere Kirche so wichtig, dass ich dazu beitragen will, dass sie besser wird. Ich wünsche mir eine Gemeinschaft, in der christliche Werte wirklich gelebt werden und nicht nur gepredigt. Ich bin mir sicher, dass es möglich ist, Kirche so zu gestalten, dass Platz für alle ist, die Teil sein wollen. Ich wünsche mir eine Kirche, in der kein Platz für Machtmissbrauch und toxische Hierarchien ist, dafür aber echte Gleichberechtigung gelebt wird und wir gemeinsam eine lebenswerte Zukunft gestalten. Alle gemeinsam und nicht ein paar Wenige auf Kosten der Mehrheit. Der Weg dort hin ist noch weit und wir werden ihn nur dann gehen können, wenn wir uns offen und ehrlich damit auseinandersetzen, was alles schiefläuft. Dafür braucht es den Mut uns auch Kritik anzuhören, zu Herzen zu nehmen und unser eigenes Handeln regelmäßig zu hinterfragen. Auch, wenn dieses Handeln möglicherweise schon sehr lange nicht hinterfragt wurde und einige Zeit lang gepasst hat. Keiner sagt, dass das leicht ist und es ist sicher ein schmerzhafter Weg. Es ist allerdings längst überfällig sich auf diesen Weg zu machen.

Magdalena Bachleitner ist Vorsitzende der Katholischen Jugend Österreich und Ministrantin in der Pfarre Canisius 

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