Es gibt noch viel zu tun

Lange Zeit war es kein Thema für mich. Aufgewachsen in einer Pfarre, wo Mädchen als Ministranten nie in Frage gestellt wurden, wo immer starke Frauen aller Altersschichten das Leben der Pfarre aktiv gestaltet (und mich geprägt) haben – die Frage von Frauen und Kirche war mehr ein Problem der anderen. Viele Jahre später erst habe ich erkennen müssen, dass die Nichtgleichberechtigung von Frauen in der Kirche mein (Pfarr-)Leben doch mehr beeinflusst, als mir lieb ist. Weil die Auswirkungen der Hierarchie  – geweihte Männer, Laien, weibliche Laien – nicht vor dem Tor meiner Pfarre haltmachen. Weil ich mir eingestehen musste, dass Sonderwege, das Nicht-an die Regeln-halten, der eigenen Pfarre nicht die Lösung sind.

Zu gehen war für mich nie eine Option – und wird es auch in Zukunft nicht sein. Dafür war und ist die Liebe zu meiner Kirche zu groß. Und die Überzeugung, dass es meine Verantwortung als getaufte und gefirmte Christin ist, Kirche von innen zu verändern. Sie „den anderen“ zu überlassen kommt nicht in Frage.

Viel zu viel gibt es da zu tun: Da sind die großen Brocken wie Zulassung zu Weihe, die Verknüpfung von Weihe und Amt und die Rolle von Laien in der Kirche. Themen, die eigentlich keine reinen Frauenthemen sind. Vor allem aber gibt es auch in unseren Gemeinden viel zu tun. Sind wir als Gemeinde überhaupt bereit für mehr Verantwortung in weiblicher Hand, z.B für eine weibliche Gemeindeleitung? Können wir uns von diesem übermächtigen, gesellschaftlich geprägten Bild des Herrn Pfarrers lösen? Da sind zwar die coolen Jugendleiterinnen, Firmbegleiterinnen, aber dann? Welche Rollenbilder für Frauen der Generation 30+ vermitteln wir? Ganz viele dieser Frauen leben ihre Spiritualität und ihr soziales Engagement außerhalb der Kirche. Ich befürchte, wir haben uns als Gemeinden vergessen zu fragen, warum das so ist.

Rollenbilder und die daraus resultierenden Verhaltensweisen sitzen oft tiefer als einem lieb ist. Auch bei mir, obwohl es weh tut, sich das selbst einzugestehen. Auch ich ertappe mich dabei, von einer weiblichen Pastoralassistentin anderes zu erwarten, als von einem männlichen. Auch ich frage kaum Männer, wenn es darum geht, für die nächste Agape Kuchen oder Aufstriche beizusteuern. Die Rollenbilder in denen wir gefangen sind und die wir dadurch auch vermitteln sind leider nicht immer die, die wir gerne hätten.

In all dem die Hoffnung nicht zu verlieren, ist wahrscheinlich das vorrangigste Ziel für jede Einzelne von uns. Dabei helfen können Initiativen wie dieser Blog – das Sichtbarmachen und Vernetzen von Frauen in der Kirche. Und es sind die vielen kleinen persönlichen Ideen, die daraus entstehen, die uns weiterbringen – für  mich bedeutet das, die nächste Ausgabe unserer Pfarrzeitung unter das Motto „Frauen in der Kirche“ zu stellen (nachzulesen ab 18.9. unter  http://www.pfarre-schwechat.at).

Es gibt noch sehr viel zu tun – auch für mich.

Barbara Mark, stv. Vorsitzende PGR Pfarre Schwechat

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s