Ein Gespräch, in dem Argumente zählen.

Kennst du das, wenn ein Gespräch abbricht, weil alle Beteiligten gemeinsam vor einer fiktiven Mauer stehen, die scheinbar das Weitersprechen unmöglich macht? Wenn ich als Studentin in den Gängen einer Katholisch-Theologischen Fakultät stehe und sage: „Das kann doch einfach nicht wahr sein, dass wir immer noch argumentieren müssen, warum Frauen gleichberechtigt sein sollten, warum alle Ämter und Dienste in der Kirche für jede*n zugänglich sein sollten!“ – dann folgt leichtes Kopfnicken, vielleicht ein Schulterzucken und mit Blick auf die imaginäre Mauer: „Hmmm, ist halt so. Das können wir nicht ändern.“

Was wäre, wenn doch?!

Was wäre, wenn Argumente helfen würden? Wenn „mutige Vorschläge“ Gehör finden würden? Tja…dann müssten wir in einen ehrlichen Dialog treten, in dem Argumente zählen:

Es ist meine tiefste Grundüberzeugung, dass Gott keinen Unterschied macht zwischen den Geschlechtern. Ich glaube sogar, dass das Geschlecht eines Menschen Gott am wenigsten interessiert. Gott beruft Menschen nicht aufgrund ihres Geschlechts in seine*ihre Nachfolge, sondern aufgrund ihres Charismas, aufgrund ihrer Persönlichkeit, aufgrund ihrer Fähigkeiten usw. Dementsprechend glaube ich, dass auch einige Frauen die Berufung zum priesterlichen Dienst haben und das „System Kirche“ Unrecht tut, wenn es ihnen diese Möglichkeit versperrt.

– Aber im Kanon 1024 des Kirchenrechts steht: „Die heilige Weihe empfängt gültig nur ein getaufter Mann.“

Die Kirchenrechtlerin Sabine Demel (und mit ihr einige andere) sehen in diesem Kanon allerdings keine göttliche Weisung oder gar göttliches Recht. Das Kirchenrecht ist ein von Menschen gesetztes Recht, das zwar versucht, der göttlichen Offenbarung zu folgen, dennoch stehen diejenigen, die das Kirchenrecht formulieren oder umformulieren vor der Herausforderung, es an unsere geschichtliche und kulturelle Situation anzupassen. Der Kanon 1024 kann verändert werden.

– Die göttlichen Weisungen, denen die kirchliche Tradition folgt, sind in der Heiligen Schrift festgehalten. Dort lesen wir von 12 Aposteln (Männer), die Jesus gefolgt sind und die von Jesus gesendet wurden, um das Evangelium zu verkünden und zu taufen.

In der Bibel lesen wir aber auch von Frauen in der Nachfolge Jesu. Maria aus Magdala, Marta und Maria, die Schwestern aus Bethanien, Salome, Maria, die Mutter des Jakobus, Maria, die Mutter Jesu….und viele weitere. In allen Evangelien sind es auch die Frauen, die als erste von der Auferstehung Jesu erfahren – den Auferstandenen sehen – und die frohe Botschaft als erste verkünden.

Die Ämterstruktur der Kirche kann nicht auf Jesus zurückgeführt werden. Jesus hat keine Priester geweiht, sondern er hat Menschen in seine Nachfolge berufen und zur Verkündigung des Evangeliums ausgeschickt – Männer wie Frauen.

– Papst Johannes Paul II hat 1994 in dem Schreiben „Ordinatio sacerdotalis“ eindeutig festgehalten, dass die Kirche nicht die Vollmacht besitzt, Frauen die Priesterweihe zu spenden und dass sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben.

Dieses Argument führt uns in eine Sackgasse und wir stehen vor der eingangs erwähnten Mauer. Ob der Papst damit eine unfehlbare Lehrentscheidung getroffen hat, kann und wird infrage gestellt. Ob das damit zum unabänderlichen Glaubensgut der Kirche gehört, ebenso. Rückblickend können wir feststellen, dass nicht nur ich mir heute, sondern sich viele Menschen seit 1994 das Diskutieren und das Weiterdenken nicht verbieten lassen. Ich halte es da mit Karl Rahner, der in einem Artikel in der Zeitschrift „Stimmen der Zeit“ von 1977 zu der „Erklärung zur Frage der Zulassung der Frauen zum Priesteramt“ von Paul VI (Inter insigniores) schrieb: „Der Theologe hat aber auch Recht und Pflicht zu einer kritischen Prüfung dieser römischen Erklärung bis zur Möglichkeit, es als sachlich in seiner Grundthese irrig zu halten“.

(Karl Rahner SJ, Priestertum der Frau?, in: Stimmen der Zeit 195 (1977), S. 291–301.)

Ich studiere im Master katholische Religionspädagogik und trotzdem musste ich mir sämtliche Argumente, die ich in diesem Beitrag gesammelt habe (und es sind bei weitem nicht alle; einige Aspekte fehlen noch!) selbst zusammensuchen. Mir halfen und helfen dabei ein feministischer Lesekreis, eine Diskussionsrunde aus teils kontroversen Theologiestudierenden und verschiedene Bücher und Blogs. Im Curriculum des Theologiestudiums hingegen vermisse ich diese Fragen und das Handwerkszeug für theologisches Argumentieren dieser Art. Trotzdem fühle ich mich als junge Theologin dazu herausgefordert, die fiktive Mauer zu überwinden und das Gespräch nicht abreißen zu lassen!

Magdalena Pittracher

2 Kommentare

  1. Wenn immer mehr Frauen und Männer deutlich artikulieren, dass sich etwas ändern muss, dann werden auch die Herren Kleriker nach und nach einsehen, dass sich diese wichtige Frage nicht mehr aussitzen lässt. Mit dem „salbungsvollen Getue“ sollten wir uns nicht mehr abspeisen lassen!
    Also, nicht sagen: was soll’s? Sondern immer wieder fordern, was eigentlich selbstverständlich sein sollte. Das Kirchenrecht ist von Menschen gesetzt und kann jederzeit wieder geändert werden.

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