Ja wir dürfen!

Die zwei Männer, die vor mir schon im Blog „Frauen in der Kirche“ geschrieben haben, ließen den Widerspruch schon anklingen  – “Dürfen wir das? Sollte dieser Blog nicht den Frauen gehören?” Aber ja wir dürfen! Hören wir auf, die Marginalisierung und den Ausschluss von Gruppen als Problem eben dieser zu sehen. Die Kirche als Organisation hat es in den letzten 2000 Jahren geschafft, sich selbst zu verstümmeln und sich die eigene Kraft zu nehmen – keine Frage, da leiden wir alle als “Glieder dieses Leibes” darunter.

Harte Formulierung denkt ihr? Man muss nur die Bibel lesen und kann den Kontrast zu heute sehen. Die frühe Kirche konnte trotz Verfolgung und Bedrohung wachsen, ist wie eine Welle über das römische Kaiserreich geschwappt und hat sich bald auch über dessen Grenzen hinaus bewegt. Eine der wenigen missionarischen Religionen, die (zumindest in den Anfängen) von unten nach oben passiert sind. Das war nur durch eine nicht zerstörbare Struktur möglich. „Wo Zwei oder Drei in meinem Namen zusammenstehen …“ ist der Satz, in dem sich diese Stärke zusammenfasst. Das frühe Christentum brauchte keine Tempel oder Heiligen Orte, die entweiht werden konnten, es hatte eine Priesterkaste (Schließt alle klerikalen Positionen mit ein), in der jederzeit jemand neues gewählt werden konnte. Das Märtyrertum geht nur auf, wenn die Strukturen dadurch nicht zerbrechen, wenn jeder und jede die Fackel aufnehmen und weiter machen kann, solange es Christ*innen gibt . Da ist es natürlich auch äußerst praktisch, dass der heiligste Gegenstand jederzeit durch eine alltägliche Handlung mit dem häufigsten Nahrungsmittel hergestellt werden kann.

Gerade in der frühen Zeit wurde die Kirche von Frauen getragen. sie stellten zur Verfügung was gebraucht wurde und gaben den Gemeinden mit ihren Häusern oft eine Heimat. Es ist schon bezeichnend, dass die letzten seiner Jünger*innen, die Jesus sah bevor er starb und die ersten, die seine Auferstehung verkündet haben, Frauen waren. Ihre Rollen mögen nicht immer so explizit herausgehoben worden sein, aber sie stehen da, schwarz auf weiß.

Über die Zeit hat die Kirche begonnen, die verschiedensten Glieder als mehr oder weniger unnütz zu betrachten. Das traf auf den ersten Blick am stärksten und härtesten die Frauen, aber bei genauer Betrachtung traf es vor allem die Kirche. Stellt euch vor, es würde heute zu einer Christenverfolgung kommen, der Priester stirbt den Märtyrertod und dann? Handlungsunfähigkeit, jetzt muss der Bischof einen Mann finden, der noch keine Frau hat, bereit ist, ewig darauf zu verzichten, 6 Jahre Theologie studiert und dann noch mit der Gemeinde harmoniert – sowas klappt sicher super, wenn man sich im Untergrund versteckt.

Viele mögen jetzt sagen, die Kirche muss nicht unter Verfolgungen funktionieren, denn das ist bei uns ja nicht wahrscheinlich. Denen gebe ich recht, aber das Problem ist das selbe, wenn man auf die großen Themen der Kirche in Europa schaut. Was die Kirche tut, ist schwimmen mit nur einem Arm und Bein – da kommt man nicht vorwärts und dreht sich im Kreis. Wenn man den Zölibat mit einbezieht, schwimmt die Kirche derzeit nur mit kleinem Finger, zum eigenen Glück ist sie noch aufgeblasen genug, um an der Oberfläche zu treiben.

Zugangsbeschränkungen die nichts mit Fähigkeiten und Qualifikationen zu tun haben schaden immer all jenen, die die Leistungen in Anspruch nehmen. Niemand würde in ein Spital gehen, in dem die Ärzte nicht nach Können sondern danach ausgewählt wurden, dass sie zölibatär lebende Männer sind. „Herr Dr Maier hat keine Ahnung von Herztransplantationen, aber ich kann ihnen versichern, er hatte nie Sex und weiß auswendig, was die Meinung eines anderen Mannes im Mittelalter zum Herzen war. Jetzt aber ab in die Narkose…“

Ein Körper der seine Glieder abbindet, wird sie irgendwann verlieren, sie sterben und fallen ab. Die Frage ist, wie viele Glieder dieser Körper noch verlieren kann, bevor er nicht mehr lebensfähig ist. Der größte und wichtigste Schritt ist dabei sicher, die Hälfte der Glieder als das zu akzeptieren was sie sind: gesendete, begeisterte Frauen mit den verschiedensten Talenten, die so viel für diese Kirche tun könnten, aber die mit abstrusen Argumenten daran gehindert werden.

Marco Skodak,

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