Die Frauen in der Kirche sind doch noch für etwas gut

In meinem Job in der Finanzkammer der Erzdiözese helfe ich gerade bei der Kontrolle der NPO-Anträge, die die Pfarren einreichen können. Ein echt cooler Job, aber manchmal versteh ich echt die Welt nicht mehr.

Vor einigen Tagen hat mich mein Kollege gebeten bei einer Pfarre anzurufen, denn die hätte ein paar Fragen bezüglich der Auswertung der Daten für den Antrag. Nach einem etwa zehnminütigen Gespräch mit einem Herren bedankte er sich bei mir mit den Worten: „Die Frauen in der Kirche sind doch noch für etwas gut.“ Ich hab dann milde gelacht und mich bedankt. Ich wusste nicht, ob es jetzt ein Kompliment sein soll oder nicht. Mein Kollege meinte ich soll es als Kompliment auffassen.

Dieser Satz geht mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf und habe begonnen zu überlegen. Ich merkte dass, wenn ich mit Frauen telefonierte, diese meistens die Pfarrsekretärinnen waren, die Männer aber eher im Vermögensverwaltungsrat tätig.

Aber vor allem merkte ich eines: ohne uns Frauen gäbe es in der Kirche ein riesiges Problem. Ob es jetzt die Pfarrsekrtärinnen, Haushaltshilfen, Pfarrgemeinderätinnen, Pastoralassistentinnen, Jugendleiterinnen oder einfach freiwillige Damen, die die Kirche putzen, sind.

Wenn ich an meine Heimatpfarre denke, kommen mir fast nur Frauen in den Sinn, die Messen vorbereiten und gestalten und so weiter. Meine Mutter als Vorsitzende des PGRs, die in den letzten Jahren einige Sachen revolutioniert und eingeführt hat, meine Tante als Leiterin des Kirchenchors, unsere Orgelspielerinnen und die anderen Chorleiterinnen, unsere Pastoralassistentin, die es geschafft hat, eine extrem gut funktionierende Jugendgruppe auf die Beine zu stellen – und das für zwei Pfarrverbände neben Studium und Job als Religionslehrerin.

Auch in anderen Bereichen der Kirche, seien es jetzt Mitarbeiterinnen der Diözese oder eine Ehrenamtliche der Katholischen Jugend oder Jungschar.

Manche Menschen vergessen manchmal einfach wie traurig die Kirche ohne Frauen wäre und dass sie ohne uns nicht so bestehen würde wie sie jetzt gerade da steht.

Wir Frauen und Mädchen dürfen nicht vergessen wie wichtig wir sind. Ob es jetzt für den Pfarrer als Unterstützung ist oder für ein Firmling, den wir vielleicht nur wegen eines unbedachten Satzes zum Glauben geführt haben.

Unser Platz in der Kirche ist wichtig und sollte von allen gesehen und akzeptiert werden.

Agnes Liener arbeitet in der Finanzkammer der Erzdiözese Wien und ist ehrenamtlich in der Katholischen Jugend tätig

Ein Kommentar

  1. Liebe Agnes Liener!
    Soll man über den präpotenten Satz „Die Frauen in der Kirche sind doch noch für was gut“ wirklich lachen und sich bedanken… und dann noch tagelang über diese dümmlich “ witzige“ Bemerkung nachdenken?
    Meiner Meinung zu viel Ehre für diesen Macho!

    Liken

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