Die Veränderung hat bereits begonnen

Der letzte Beitrag ist jetzt schon einige Zeit her – es war für viele ein außergewöhnlich hartes Jahr.

Umso mehr freut es mich, dass Voices of Faith, Maria 2.0 und andere Initiativen sich weiterhin lautstark und sichtbar für mehr Mitsprache der Frauen und ihre Weihe einsetzen. Auch #segenfüralle ist in dieser Zeit entstanden – als Antwort auf eine in meinen Augen noch viel krassere Diskriminierung.

Ich selbst habe mich im vergangenen Jahr noch intensiver mit den Themen Frauenpriestertum, Diakonat, Gender und Gleichberechtigung auseinandergesetzt. Das war nicht leicht – die Menschen in meiner Umgebung waren oft genug Zeugen meiner ohnmächtigen Wut – auf einzelne Menschen, kirchliche Institutionen, die gesamte Kirchengeschichte. Und auf Gott. Denn was zum Kuckuck soll ich als Frau mit so einer nicht verwirklichbaren Berufung anfangen? Haben etwa die recht, die behaupten, es sei nur „eingebildet“? Oder wurzele nur in „Machtgier“? Nun, zumindest da bin ich mir sicher: nein. Niemand tut sich sowas freiwillig an. So zerrissen zu sein zwischen Demut und Loyalität gegenüber Gott und dem Versuch, der eigenen Kirche gehorsam zu sein. Denn das steht außer Frage: Wir alle, die wir als Teil dieser katholische Kirche versuchen, etwas zu verändern, tun das, weil sie uns unglaublich wichtig ist. Sonst wären wir nicht mehr dabei.
Manchmal erscheint mir meine Berufung wie ein grausamer Scherz. Aber mir sind einige Punkte klarer geworden:

Ich bin kein Freak. Weder ich, noch die tausenden Menschen auf dieser Welt, die berufen sind, aber kein Amt bekleiden dürfen, weil sie keine Männer sind. Damit wir ein Diakon*innen- oder Priester*innenamt übernehmen dürfen, benötigen wir die Zustimmung unserer Kirche. Aber nicht für unsere Berufung, nicht für das, was in uns leuchtet, was uns vorantreibt, was uns nach jedem Rückschlag, jedem verächtlichen Kommentar wieder aufrichtet. Diese Sicherheit, am richtigen Weg zu sein – den inneren Kompass im Einklang mit dem Leben, so gut es eben geht.

Wir sind viele. Und seit immer mehr Frauen auch öffentlich über ihre Berufung berichten, trauen sich auch andere laut darüber zu reden. Es stimmt einfach nicht, dass das „nur ein europäisches Problem“ ist. Die Gleichberechtigung ist auf der ganzen Welt ein großes Thema – und da gerade auch innerhalb der katholischen Kirche. Und nein, Frauen in kirchlichen Ämtern werden nicht alle Probleme lösen, weder die der Welt noch die der katholischen Kirche. Aber es ist das Richtige und darum wert, umgesetzt zu werden.

Die Veränderung hat bereits begonnen. Quälend langsam, geprägt von Rückschlägen, aber unaufhaltsam. Dafür, dass Menschen Sorge oder sogar Angst angesichts solcher Veränderung spüren, dass sie sich nicht vorstellen können, wie das mit Tradition und Geschichte zusammenpasst – dafür kann ich Verständnis aufbringen. Ich muss akzeptieren, dass das Abbauen dieser Vorbehalte Zeit braucht. Aber: das war nie und ist nicht Gottes Problem. Als ob Gott darauf angewiesen wäre, von einem Mann repräsentiert zu werden. Das ist nur allzu menschlich. Und der Punkt, wo es mehr Menschen schadet als hilft, an überkommenen Traditionen festzuhalten, der ist bereits überschritten.

Darum halten wir – frei nach Franziskus – das Feuer, das Christus der Apostelin Maria Magdalena reichte, am Brennen, anstatt die Asche zu bewahren. Und das soll mir fürs Erste genügen.

Hannelore Mayer ist Jugend- und Kinderpastoralassistentin der Jungen Kirche Wien

6 Kommentare

  1. Das ist spannend was hier geschrieben wird und alles deute ich für mich als eine Gebetserhörung. Denn ich habe um 2002 herum mehrere Priester und auch gute Katholiken gefragt, ob sie mir sagen könnten, warum es sich lohnt noch in der römisch katholischen Kirche zu bleiben Es kam keine befriedigende Antwort. Ein Vetter von mir meinte nur ganz verzweifelt, dass diese Frage doch pubertär wäre.
    Seit der Zeit frage ich allerdings auch jeden Priester, was er eigentlich betet, wenn er das Friedensgebet spricht und was die Kirche dann glaubt, wenn er es als Priester spricht?

    Es geht um Angst vor Veränderung und Furcht und Angst verhindert eine gesunde Erkenntnis
    Ich stelle hier einmal die wichtigsten Ängste vor:
    Die Urängste und ihre Merkmale

    1 Selbstverleugnung
    Urangst vor Unzulänglichkeit
    – unterwürfig == bescheiden+

    2 Selbstsabotage
    Urangst vor Lebendigkeit
    -selbstzerstörend == aufopfernd+

    3 Märtyrertum
    Urangst vor Wertlosigkeit
    – selbst bestrafend == selbstlos+

    4 Starrsinn
    Urangst vor Unberechenbarkeit
    verbissen== entschlossen+

    5 Gier
    Urangst vor Mangel
    unersättlich == selbstzufrieden+

    6 Hochmut
    Urangst vor Verletzt werden
    selbstgefällig == stolz+

    7 Ungeduld
    Urangst vor Versäumnis
    – unduldsam == entschlossen +

    Die Pluspunkte gelten als falsche Tugenden weil sie von Angst und nicht von der Liebe bestimmt sind.

    aus Varda Hasselmann Frank Schmolke Archetypen der Seele S.100 .

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  2. Liebe Frau Hannelore Mayer,
    die Zerrissenheit, von der Sie schreiben, ist sicherlich sehr schwer zu ertragen. Da kommt mir die Frage in den Sinn, ob Sie sich schon einmal mit der evangelischen Kirche in Österreich vertraut gemacht haben. Hier könnten Sie vielleicht Ihrem inneren Kompass gemäß Ihre Berufung zum Segen für viele Menschen einsetzen. Wäre das für Sie ein gangbarer Weg?
    Bin gespannt auf Ihre Antwort.
    Viele Grüße aus Salzburg

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    • Ja natürlich hab ich schon überlegt zu wechseln 🙂
      Ich hab auch schon sehr eng mit einer evangelischen Pfarre zusammengearbeitet. Aber ich bin „leider“ katholisch durch und durch … es gibt einfach ein paar Unterschiede, die ich nicht ehrlich vertreten könnte – da spielt der Kompass nicht mit. Aber Ökumene ist mir ein großes Anliegen, und die katholische Kirche dazu zu bewegen, weibliche Berufung anzuerkennen, ist hoffentlich auch ein Schritt auf diesem Weg.

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    • Liebe Frau Maria Theine,

      als einer, der in einer konfessionsverbindenen Ehe lebt, ist mir die evangelische Gemeinde sehr nah und auch vertraut. Ich bin dort willkommen und wirke manchmal auch tatkräftig mit. Aber meine Heimat ist die katholische Kirche. Ich könnte sogar die Unterschiede tolerieren, von denen Frau Mayer spricht, weil ich Gott für unfassbar größer halte, als unser oft kleinkariertes Denken. Aber es ist für mich trotzdem keine Alternative, dorthin zu wechseln. Ich setze mich sehr für Ökumene ein. Aber ich verstehe nicht, warum sich unsere katholische Kirche seit über fünfzig Jahren nicht einen Schritt vorwärts bewegt! Im Gegenteil, manch neuer Ansatz aus dem Konzil wurde wieder abgewürgt, Vorschläge von der Würzburger Synode gar nicht erst aufgegriffen. Und ganz abgesehen davon, die Amtskirche handelt fortgesetzt gegen die Menschenrechte! Homosexuelle werden diskriminiert. Auch wenn die „Amtskirche“ beteuert, dass das nicht so wäre: was ist es denn dann, wenn ihre sexuelle Praxis verteufelt wird, ihnen der Segen verweigert wird?? Frauen werden diskriminiert. Oder wie bezeichnen Sie das, wenn es ein striktes Berufsverbot für Frauen gibt. Auch die Kirche hat auf der Grundlage des Grundgesetzes zu handeln!

      Ihr Vorschlag, „einfach“ zu konvertieren wird oft von Menschen gemacht, die sich nicht vorstellen können, dass es Menschen gibt, deren kirchliche Heimat in der katholischen Kirche geprägt wurde und jetzt erkennen, dass vieles einfach nicht im Sinne Christi läuft. Wir wollen das ändern. In letzter Konsequenz werden wir gehen, aber nicht konvertieren.

      Michael

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      • Lieber Michael,

        dies war ganz sicher kein Vorschlag, „einfach“ zu konvertieren, sondern vielmehr eine von Herzen kommende Frage, ob die bestehende Möglichkeit unter den gegebenen Bedingungen für Frau Hannelore Mayer ein gangbarer Weg wäre.

        Ich bin überaus dankbar für die klare und ehrliche Antwort, umso mehr, da auch für mich die katholische Kirche Heimat ist und ich die Beweggründe gut nachvollziehen kann.

        So hoffe ich, dass auch Sie nicht „gehen“, sondern weiterhin für Veränderungen kämpfen werden. Wie viele andere auch.

        Grüße aus Salzburg

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